Im Gedenken an Albert Moor

Im Gedenken an Albert Moor

Unser Ehrenpräsident im 92. Lebensjahr verstorben – ein Nachruf von Gernot Heigl

Unser Ehrenpräsident und langjähriger Klubleiter Albert Moor hat uns für immer verlassen, wenngleich, trotz Trauer aller, vor allem seiner Familienmitglieder, es für ihn als eine – vor allem in den letzten Monaten – Erlösung von seiner Krankheit empfunden werden muss. Was für uns alle bleibt, sind viele positive Erinnerungen an einen liebenswürdigen, gutherzigen Menschen.

Albert Moor wurde am 2. 7. 1925 in Indija, nahe Belgrad, im einstigen Königreich Jugoslawien geboren, sein Vater war Möbelfabrikant. Nach der deutschsprachigen Grundschule in Indija und Besuch der Mittelschule in Novi Sad, übersiedelte er 1941 nach Graz, um dort die Handelsakademie zu besuchen. Damals schon lernte er seine spätere Frau Gerlinde kennen. Albert musste mit seinen Eltern im Zuge der Kriegsereignisse im Herbst 1944 nach Wien fliehen und wurde dann in den letzten Kriegsmonaten zur deutschen Wehrmacht eingezogen.

Ein Ereignis prägte ihn fortan: Er bekam von seinem Vater zur Matura eine Eumig C4-Filmkamera geschenkt, mit der er sogleich Aufnahmen vom kriegsbeschädigten Wien machte. Nach Kriegsende übersiedelte Albert wieder nach Graz und wohnte im Haus der Eltern seiner Gerlinde, die er 1950 heiratete. Er stieg in den KFZ – Betrieb seiner Schwiegermutter ein und leitete später einen Betrieb für Handel mit und Reparatur von Autokühlern. Das Ehepaar Moor bekam zwei Kinder, Michael und Gabriele und baute sich ein Haus in Graz am Neufeldweg.

Doch der Filmvirus hatte Albert bereits befallen. So war es nicht verwunderlich, dass er bereits 1955 dem „Steirischen Schmalfilmklub“ beitrat. Albert filmte damals, wie es halt so üblich ist, die „Aufwachsphase“ seiner beiden Kinder, teils auch mit Spielhandlung. 1964 wurde er in den Klubvorstand und 1970 zum Obmann gewählt. Diese Funktion hatte er 31 Jahre bis 2001 inne. Gespickt mit herausragenden Ereignissen war seine weitere Tätigkeit: 1964 Gründungsmitglied des VÖFA (damals noch Vereinigung Österreichischer Film-Amateure) und von 1985 – 1994 Regionalleiter der Region 4 und damit Mitglied des VÖFA Vorstandes.

In seine Klubleiterzeit fällt auch die Errichtung des Klublokales im Keller des Gasthauses „Dokterbauer“ im Jahr 1977, das unter Mithilfe aller Klubmitglieder zu einer gemütlichen Heimstätte mit Buffet und Clubraum, sowie Kinoteil, ansteigendem Zuschauerraum und eigener Vorführkabine ausgebaut wurde. Dazu gehörten natürlich Projektoren für 16 mm, Normal- und Super8 und eine Tonanlage. Ein wichtiger Bestandteil des damaligen Klublebens waren die köstlichen Mehlspeisen, die vor allem von seiner Frau Gerlinde gebacken und zur Aufbesserung der Klubkassa in den wöchentlich am Dienstag stattfindenden Clubabenden verkauft wurden. Legendär waren Clubmeisterschaften, die oft gegen 2 Uhr Früh endeten. Die Mitgliederzahl war beträchtlich, so zählte der Club z. B. im Jahr 1985 69 ordentliche Mitglieder. Auch gab es damals noch die Klubzeitung, in der aktuelle Nachrichten, Programmvorschau, aber auch kritische und humorvolle Beiträge zu lesen waren. Dass unser Klub auch bei Meisterschaften erfolgreich war, ergab sich fast von alleine. So kam es, dass der Klub unter Albert Moor mit der Ausrichtung mehrerer Landes-, sowie 1974, 1978, 1984 und 1995 von Staatsmeisterschaften betraut wurde. Als Anerkennung für seine Leistungen erhielt er 1985 das VÖFA-Verbandsehrenzeichen in Gold und 1994 den (inzwischen in der Vergabe eingestellten und daher sehr seltenen) VÖFA-Ehrenring. Weiters erhielt er 1981 den Ehrenring der Stadt Graz.

Neben all diesen Funktionärs-Tätigkeiten kam erfreulicherweise die Filmerei nicht zu kurz. So waren neben den bereits erwähnten Familienfilmen vor allem Dokumentationen sein Betätigungsfeld, hier konnte er viele Preise gewinnen:

1962: „Die roten Handschuhe“: Klubmeisterschaft 1963: 1. Rang
1968: „Pöllauer Loden“: Steiermark Wettbewerb: 2. Preis, Regionalwettbewerb: 2. Platz
1971: „Das Spielzeug“: Kurzfilmwettbewerb Klub 1. Platz, Regionalwettbewerb: 3. Platz
1973: „Vom Gold zum Juwel“: Regionalwettbewerb: Silbermedaille
1975: „Man nehme“: Regionalwettbewerb: Bronze, UNICA Teilnahme, IGFA-Filmtage: Bronze, Brüssel: Goldmedaille, weitere internationale Erfolge
1982: „Feuer formt Glas“: Klubwettbewerb: Silbermedaille, Regionalwettbewerb: Silbermedaille, Staatsmeisterschaft: Bronzemedaille

Doch leider ließ der Enthusiasmus der Klubmitglieder nach, die Mitgliederzahl sank, die Folge waren immer schlechter besuchte Klubabende. Was muss er empfunden haben, wenn er an die Theke gelehnt, oft nicht einmal 10 Anwesende begrüßen durfte. Es liefen immer weniger Filme bei den Klubmeisterschaften, also mussten neue Impulse her. Gerhard Russheim und Günther Niederl gründeten eine Videogruppe. Sie veranstalteten Video-Seminare im Raiffeisenhof mit dem Resultat, dass die Mitgliederzahl wieder leicht stieg, es ging bergauf. Als Zeichen dessen wurde der Klubname von „Steirischer Schmalfilmklub Graz“ auf „Steirischer Film- und Videoclub“ geändert, aber immer noch mit dem steirischen Panther als dominierendes Klubzeichen. Doch die Einnahmen aus dem Klubbeitrag und dem Buffet reichten nicht mehr aus, um die stetig steigenden Kosten für den Klubraum abzudecken. So wurde vom Vermieter ein Kindergarten im Klubraum einquartiert. Das war das nahende Ende dieser wunderbaren Heimstätte. Albert Moor blutete wahrscheinlich das Herz, daher übergab er das Zepter des Clubleiters in jüngere Hände: Thomas Schauer übernahm das schwierige Amt und setzte gleich einen Höhepunkt:

Im Hotel „Erzherzog Johann“, der ersten Heimstätte des Clubs, wurde eine Festveranstaltung organisiert, zu der ein Film namens „Stationen“ produziert wurde. Hier erzählte Gerlinde, seine Frau, mit der Albert über 66 Jahre verheiratet war, auf wundervolle Weise sein Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Interviews und Ausschnitte aus seinen Filmen bilden eine Einheit, deren Aussage heute noch aktuell ist, obwohl viele, der im Film vorkommenden Personen nicht mehr am Leben sind. In dieser feierlichen Veranstaltung erhielt Albert Moor den Titel „Ehrenpräsident“ verliehen.

Doch dies war nicht der Abschied vom Klub, nein, er kam regelmäßig, so weit es ihm möglich war, zu den Klubabenden, nahm an Diskussionen teil und besuchte auch Landesmeisterschaften. Zu seinem 70. Geburtstag bekam Albert eine Videokamera geschenkt und kehrte zu den Anfängen seiner Filmerei zurück: „Familienfilme“ hieß wieder die Devise. Diesmal aber filmte er das Aufwachsen seines Enkels Wolfgang, dem Sohn Gabrieles. Albert hatte nun eine neue Aufgabe, die ihn voll forderte, aber er tat es gerne, wie er uns voller Stolz von Fortschritten erzählte, die sein geliebter Enkel in der Entwicklung machte.

Gerne erinnern wir uns an das Sommerfest im Juli 2015, als wir im Gastgarten des „Goldenen Hirschen“ gemeinsam mit Albert und Gerlinde, sowie Michael und Gabriele in alter Frische und mit einer riesigen Torte seinen 90. Geburtstag feierten. Denn eines muss man wissen: Albert war ein leidenschaftlicher Mehlspeisen-Genießer, trotzdem blieb er gertenschlank.

Doch zunehmend machten ihm gesundheitliche Probleme zu schaffen, er musste immer wieder ins Krankenhaus. Wir befürchteten das Schlimmste, es sollte sich bewahrheiten. Alberts geschwächter Körper konnte nicht mehr. Er verschied am 10. Februar im 92. Lebensjahr. Eine kurze Meldung in der VÖFA Homepage überbrachte uns die traurige Nachricht. So war es nicht verwunderlich, dass die Klubmeisterschaft tags darauf in gedrückter Stimmung verlief. VÖFA Präsident Peter Glatzl war aus Wien angereist und gedachte in bewegten Worten des Verstorbenen, der bis zuletzt Mitglied in unserem Klub geblieben war.

Bei der Verabschiedung am 17. 2. am St. Peter Stadtfriedhof waren viele Wegbegleiter gekommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Er war bei allen sehr beliebt, ob seiner versöhnlichen, herzlichen Art. Einstige und derzeitige Klubmitglieder, viele Klubleiter und Filmschaffende nicht nur aus der Steiermark gaben ihm die letzte Ehre. Sonja Steger, als Vertreterin der VÖFA, hielt eine ergreifende Trauerrede, und als das von Albert gewünschte Abschiedslied „ Time to Say Goodbye“ erklang, hatten viele Tränen in den Augen.

Unser Mitgefühl gilt vor allem seiner Frau Gerlinde, seinen Kindern Michael und Gabriele und seinem Enkel Wolfgang. Wir wünschen Ihnen viel Kraft bei der Bewältigung des Verlustes eines geliebten Menschen.

Albert Du wirst uns sehr fehlen, Du „Sir“ der alten Schule.

Der Film- und Videoclub Steiermark

PARTE: http://www.pax-requiem.at/web/decedent/8549

VÖFA: http://www.filmautoren.at/alt/M-Moor.pdf ; http://www.filmautoren.at/alt/NEWS/Parte_Albert_Moor.pdf

FOTOS diverser Autoren aus dem Archiv von Michael Moor