24. Videograndprix Liechtenstein 2018

24. Videograndprix Liechtenstein 2018

Dieter Leitner gewinnt mit dem Film „Freiraum“ den Goldenen Spaten beim Internationalen Videograndprix Liechtenstein (VGPL)!

Bericht von Dieter Leitner (FVC Steiermark):

Zum zweiten Mal nehme ich beim VGPL teil. 2017 sind unsere Filme „Dry West“ und „Arachne“ dort gelaufen. Heuer findet das Filmfestival am 17.11.2018 in Ruggell statt. Unsere beiden Filme, „Recover“ und „Freiraum“ sind unter den 27 Filmen, die von der Vorjury ausgewählt wurden. Beiträge aus 5 Ländern werden gezeigt: Österreich (10), Deutschland (8), Schweiz (3), Italien (2) und Liechtenstein (4). Einige Autoren vom Verband Österreichischer Film-Autoren (VÖFA) sind mit ihren Filmen beim Festival vertreten. Besprochen werden die Filme von einer 3köpfigen Jury (Annemarie Wolf, Christina Zurbrügg, Werner Stadler, Ersatzjuror: Uli Bietenhader). Veranstaltungsort ist wieder das Küefer-Martis-Huus .

Da ich leider beim Filmfestival nicht anwesend war, spreche ich mit Ralf Klossner, dem Präsidenten vom Film und Videoclub Liechtenstein und Veranstalter des Festivals am Telefon:

  • Der Videograndprix findet heuer zum 24. Mal statt. Kannst du uns etwas über die Anfänge und die Geschichte des Wettbewerbs erzählen?

Da wir vom Land Liechtenstein immer eine Unterstützung bekommen, mussten wir als Verein auch eine Gegenleistung bringen. Der Club wurde von einer kleinen Gruppe Fotoamateuren 1970 gegründet und 1975 war der erste GrandPrix Liechtenstein. Das war damals ein Fotowettbewerb. Dieser Fotowettbewerb ist nur einmal durchgeführt worden aber wir haben dann auf dem Namen GrandPrix aufgebaut. Im Jahr 1995 war die Geburtsstunde des 1. Internationalen Film und Videowettbewerb GrandPrix Liechtenstein im Gemeindesaal von Balzers. Wir hatten etwa 15 VHS und SuperVHS Filme aus verschiedenen Ländern. Es gab eine Vorführung der prämierten Filme und Preisübergabe an die Autoren.

  • Das Festival findet jetzt zum siebenten Mal im Dorf Ruggell statt. Warum seid ihr übersiedelt?

Ruggell ist mein Heimatdorf und wir haben hier die Möglichkeit, einen Saal im Küefer-Martis-Huus für das Festival zu nutzen. Das ist das Museum und Kulturzentrum der Gemeinde Ruggell. In diesem schönen, denkmalgeschützten Gebäude finden immer Ausstellungen zu regionalen Themen und unterschiedliche Veranstaltungen statt. Der Saal hat 80 Sitzplätze und er war auch heuer wieder den ganzen Tag während des Festivals voll besetzt. Das Filmfestival wird in der Region sehr gut angenommen und wir laden auch unsere Clubfreunde von Vorarlberg (A) und der Schweiz (CH) ein. Heuer sind wieder sehr viele Zuschauer aus diesen Vereinen gekommen.

  • Beim Videograndprix gibt es vier Kategorien. Wie viele Filme wurden heuer eingereicht?

Es sind ungefähr 40 Filme eingereicht worden. Das ist ein Bisschen mehr als im Vorjahr. Wir haben eine Kategorie für professionelle Filme und Filme von Filmschulen. In dieser Kategorie gab es heuer keine Einreichung. Dann haben wir Kategorien für nicht-kommerzielle unabhängige Filme: Dokumentation, Spielfilm und Filme mit Jugendlichen. Die Kategorie hat bisher Jugendfilm geheißen aber wir haben sie umbenannt weil wir in den letzten Jahren festgestellt haben, dass bei den so genannten Jugendfilmen hinter der Kamera oder am Schneidetisch und in der Regie oft Erwachsene tätig sind. Die Bezeichnung „Filme mit Jugendlichen“ ist ein Bisschen ehrlicher.

  • Wie laufen die Jurybesprechung und die Preisvergabe bei euch ab?

Nach jedem Filmblock findet eine Jurybesprechung statt bei der die Autoren und die Besucher mitdiskutieren können. Wir haben da strikte Regeln und die Zeit ist begrenzt, abhängig vom Film und dessen Länge. Wir greifen auch ein, wenn die Diskussion sich zu weit vom Film wegbewegt und zu lange wird. In den Kategorien Spielfilm und Dokumentation werden jeweils drei Hauptpreise vergeben – der Goldene, Silberne und Bronzene Spaten. Dann gibt es noch je einen Preis in den beiden anderen Kategorien. Die Jury kann darüber hinaus auch Sonderpreise vergeben. Die Bewertung der Filme ist nicht öffentlich und erfolgt nach den Richtlinien vom Film und Videoclub Liechtenstein.

Ralf Klossner erklärt mir noch, dass die Preisträger von der Jury durch Vergabe von Punkten ermittelt werden und die Filme in der Kategorie Spielfilm dieses Jahr recht nahe beieinander gelegen sind. Er gratuliert mir zu meinem Erfolg und ich bedanke mich dafür, dass er sich die Zeit für das Interview genommen hat.


Darüber hinaus war er so nett, mir den Bericht über das Festival aus der Zeitung „Liechtensteiner Vaterland“ (Seite 13, ePaper 19.11.2018) zu schicken. Da dort die Siegerfilme kurz beschrieben sind möchte ich hier einen Auszug anschließen:

Deutsche Dokumentarfilme räumen die Preise ab

In der Kategorie Dokumentarfilm gewann Josef Pettinger (D) mit seinem Film „Reni“ den Goldenen Spaten. Sein Portrait über eine Frau, welche ihr Leben mit den Folgen des Contergan-Medikamentes meistert, überzeugte die Jury. Der Silberne Spaten wurde an Doris und Cord von Restorff (D) mit ihrer Dokumentation über den „Alltag im Slum von Mathare“ bei Nairobi verliehen. Der Bronzene Spaten ging an Michael Preis (D) mit seinem Film „Havanna-Blues“.

Experimentierfreudige Spielfilme

In der Spielfilmkategorie gewann Dieter Leitner (A) mit seiner eindrücklichen Suche nach „Freiraum“ den Goldenen Spaten. Bei diesem Zweiminutenfilm über die Auseinandersetzung einer Frau mit dem bedrohlichen Rahmen des Bildes betonte die Jury, dass „in der Kürze die Würze“ liegt. Der Silberne Spaten wurde an Rüdiger Schnorr (D) mit „Alles ganz natürlich“ verliehen, ein Film, welcher die möglichen Folgen der zunehmenden künstlichen Intelligenz anhand zweier Fabrikroboter zeigt. Der Bronzene Spaten ging an das befreundete Filmteam Ogablick (FL) mit ihrem Film „Das Ding aus der Zukunft“, einem Höhlenbewohnerpaar aus der Steinzeit, welches unverhofft auf ein funktionierendes Handy stößt und sich damit auseinandersetzt.

„Abstellgleis“ gewinnt einen Goldenen Spaten

In der Kategorie Jugendfilme und Filme mit Jugendlichen gewann Michael Baumeler aus Eschen den Goldenen Spaten. Sein Spielfilm „Abstellgleis“ zeigt eine Primarschulklasse, die schwer bereut, dass sie ihren Klassenlehrer durch gemeine Streiche in einen Burnout getrieben haben. Sie möchten ihren Lehrer wieder zurückbekommen, doch dieser will nicht mehr. Die Jury hofft, dass dieser Film andere Schüler nicht zum Nachahmen animiert.

Sonderpreise

Den Goldenen Spaten „Preis der Jury“ gewann dieses Jahr Heinz-Werner Breiter (A) mit seinem Dokumentarfilm „Der ewige Kampf“ über die Po-Ebene in Norditalien. Ebenfalls einen Goldenen Spaten mit dem Prädikat „Pädagogisch wertvoll“ erhielt Willi Waser (CH) mit seiner Dokumentation über „Die Arbeitsglückliche“ Künstlerin Christina Krüsi. Die UNICA-Medaille für besondere Verdienste um das Filmschaffen ging dieses Jahr an Rolf Leuenberger (CH), einem Mitglied aus dem Verein, der in Sessa beim Hotel Grappoli im Tessin mit sehr viel Leidenschaft ein wirklich sehenswertes Filmmuseum aufgebaut hat.

Ein weiterer Bericht über das Festival ist online im „Volksblatt Liechtenstein“ .

Hier noch einige Fotos: