Zu Besuch bei der UNICA 2019

Zu Besuch bei der UNICA 2019

Die UNICA Weltmeisterschaft der nicht-kommerziellen, unabhängigen Film-Autoren findet heuer vom 24.-31.08.2019 in Zeist in den Niederlanden statt. Aufgrund anderer Verpflichtungen reisen wir nicht am Samstag an und versäumen somit leider das Eröffnungsbankett. Erst am Sonntag Nachmittag kommen wir in Zeist an und quartieren uns im Hotel-Theater-Figi ein. Es bietet, neben dem Hotel, ein Kino mit mehreren Sälen, Konferenzräume und ein großes Café/Restaurant.

Die 150 Filme werden in einem der Kinosäle vorgeführt. 30 Länder zeigen ihr Programm in der Länge von je einer Stunde. Die Filme sind vom Niveau sehr unterschiedlich. Neben den bereits bekannten Filmen aus Österreich haben mir die Blöcke aus Spanien, Estland, Großbritannien und Ungarn sehr gut gefallen. Besonders erwähnen möchte ich auch den Film aus der Republik Korea “Pie are squared” der den Publikumspreis und den Preis Bester Schauspieler erhalten hat. Die Jurybesprechungen sind sehr kurz. Meist spricht nur einer der Juroren über einen Film. Die Kommentare reichen von Nacherzählungen über Fehlersuche bis zu wirklich kompetentem und für den Autor nützlichem Feedback.

Jury: Vincenzina Di Bartolo (Italien), Denis Nold (Frankreich), Rob van Maanen (Niederlande), Johanna Maria Paulson (Estland), Tomasz Drozdowicz (Polen)

Neben den Filmen werden auch Seminare angeboten. Ich habe drei davon besucht.

Tony Jakobs / Masterclass “Malen mit Licht”

Tony Jakobs zeigt uns in seiner Masterclass sehr anschaulich auf der Bühne und mit vielen Filmbeispielen den Einsatz von Licht.

V. Kuijpers spricht in ihrem Seminar über den Wert des Amateurfilms als Kulturerbe.

Daan Groot erklärt uns anhand von Beispielen aus seinen eigenen Filmen, wann er Filmregeln bricht und warum.


Daan Groot / Masterclass “Film rules overboard”

Der Ganztagesausflug am Montag führt uns erst mit dem Bus nach Hoorn. Dort besteigen wir einen historischen Zug und fahren bei traumhaftem Wetter durch die malerische Landschaft nach Medemblik. Wir haben Zeit die kleine Ortschaft zu besichtigen, ehe wir an Bord des historischen Dampfschiffes “Friesland” gehen, wo uns eine westfriesische Jause serviert wird. Das Schiff bringt uns nach Enkhuizen zum Freilichtmuseum Zuiderzee.

Freilichtmuseum Zuiderzee

Hier können wir authentische Gebäude bewundern, Schauspieler in Kostümen stellen Tätigkeiten der damaligen Zeit dar und wir erfahren alles über das Leben am Ufer der Zuiderzee von 1880 bis 1930.

Anschließend fahren wir mit dem Bus nach Volendam und spazieren dort durch die malerischen Gassen zum Hotel Spaaner, wo wir unser Abendessen einnehmen.

Beim Halbtagesausflug am Mittwoch fahren wir mit dem Partyschiff “De Rotterdammer” und bekommen einen Eindruck von den riesigen Hafenanlagen um Rotterdam.

Am Freitag Abend läuft unser Film “Kutschenfahrt” beim Minutencup. Er kommt beim Publikum gut an und verliert erst im Semifinale gegen einen Niederländischen Film – den späteren Sieger – und erringt somit einen dritten Platz. Die ersten beiden Plätze gehen an zwei ernste Filme.
Der Sieger “Behind The Mask” behandelt das Thema Mobbing. Den zweiten Platz erlangt “The Sweet Memory” aus Spanien, der davon handelt, dass ein Vater seine im Park verlorene Tochter sucht. Das glaubt man zumindest am Beginn, aber in der überraschenden letzten Einstellung stellt sich heraus, dass es seine alte Mutter ist, die sich nur an ihre Kindheit erinnert hat – genial und so schön!

Dritter Platz beim Minutencup für “Kutschenfahrt”

Den freien Nachmittag am Samstag nutzen Susanne und ich für eine Stadtführung in Utrecht und eine Schifffahrt durch die Grachten der Stadt.

Am Samstag Vormittag ist die öffentliche Jurysitzung. Österreich schneidet, wie Peter Glatzl im seinem Artikel schon berichtet hat, hervorragend ab.

Bei der Preisverleihung am Samstag Abend nimmt unser VÖFA-Präsident auf der Bühne Gold und den Preis für den besten Jeunesse-Film (“Lego – Der Überfall”, Thomas Speckhofer), zwei mal Bronze (“Zwischen zwei Welten”, Kober und Kober, “Federwelt”, Wolfgang Tschallener) und ein Diplom D’Honneur (“Das Uhrwerk dreht sich weiter”, Luca Selberherr, Elias Märk, Nikolai Liskutin) entgegen. Das Musikvideo “Hammer it all” von Tobias Steiner war leider nicht unter den von der Jury ausgewählten 40 Filmen in der Endabstimmung, aber die Ehre bei der Weltmeisterschaft teilgenommen zu haben bleibt natürlich.

Herzliche Gratulation allen Preisträgern!

Nach der Abschlusszeremonie, bei der verschiedene Tanz- und Musikshows geboten werden, feiern die Österreicher noch lange beim Abschlussbankett und danach in der Bar den tollen Erfolg.

Bericht von Dieter Leitner, Fotos von Dieter Leitner (143) und Thomas Schauer (1)

Einen kurzen UNICA 2019 Bericht vom VÖFA-Präsidenten Peter Glatzl gibt es HIER.