Das war das Festival der Österreichischen Filmautoren – unsere Staatsmeisterschaft 2019

Das war das Festival der Österreichischen Filmautoren – unsere Staatsmeisterschaft 2019

Die diesjährige Staatsmeisterschaft war anders – und das fing beim Namen an. Das Festival der Österreichischen Filmautoren wurde vom erfahrenen Filmklub Fieberbrunn unter der Leitung unseres Generalsekretärs Wolfgang Schwaiger organisiert und lief 2019 als Pilotversuch einer neuen Art der Staatsmeisterschaft, des höchsten Wettbewerbs unseres Verbandes.

Der Rahmen

Spannung im Publikum

Der Rahmen für den Piloten war diesmal dehnbar. Also schufen Gastgeber und Veranstalter eine neue Art des Festivals, erstmals ohne Gold, Silber und Bronze, dafür mit einer Anerkennung für jeden Teilnehmer – schließlich ist es ja schon eine Ehre, bei dieser höchsten Meisterschaft des Landes dabei zu sein.

Die Preise, die vergeben wurden, waren Staatsmeister und Preis der Jury (auch bekannt als Flamingo) und VÖFA-Filmpreise in 10 verschiedenen Kategorien, wobei jeweils drei Filme nominiert waren – die Ehre der Nominierung wurde auch mit einer entsprechenden Trophäe honoriert.

Neu war auch die Einbindung der Filmautoren in die Jurydiskussion, die außerordentlich gut ankam, und die Bündelung von Filmen junger Autoren (Jeunesse) am letzten Festivaltag, die alle ohne Rücksichtnahme auf das Ergebnis der Landesmeisterschaften zugelassen waren.

Die Gastgeber

Festival-Zentrum

Offiziell heißt der Club, der den Wettbewerb organisiert, ja “Ausrichter”. Das Wort ist aber so mehrdeutig besetzt, dass wir lieber vom Gastgeber sprechen. Und der machte dieser Bezeichnung alle Ehre – mit viel Erfahrung schupften die Fieberbrunner die Veranstaltung, sorgten für ein hervorragendes Bild und den richtigen gesellschaftlichen Rahmen. Selbst das Wetter spielte mit – während der Filmtage trüb und regnerisch, gegen Ende immer aufgelockerter und beim Ausflug auf den Berg am Samstagnachmittag dann schließlich sonnig.

Die Jury

Helmut Schubert (links) in der Diskussion mit der Jury (Horst-Günther Fiedler, Thomas Schauer, Wolfgang Allin, Christiane Altinger-Wolfrum, Hannes Schobesberger, Adi Stocker)

Fünf Juroren schauten mit ganz unterschiedlichen Augen auf die Filme des Programms, diskutierten offen und respektvoll miteinander und vor allem mit den Filmautoren. Erfrischend anders wurden die zahlreichen anwesenden Autoren in die Diskussion einbezogen. Und wer gerne mehr erzählen wollte, von seinem Film und allem, was so dahinter steckt, der konnte das einfach tun – was eine enorme Bereicherung war.

Die Filme

57 Filme liefen von Mittwochabend bis Samstagmittag, vertreten waren wieder so gut wie alle gängigen Genres. Der Block junger Filme gegen Ende war alles andere als ein angehängtes Sonderprogramm, er war vielmehr – und das werden wohl die meisten Anwesenden bestätigen – die Krönung des Festivals. So wundert es am Ende nicht, dass sich das auch in den Nominierungen und Preisen niederschlug.

“Lavendelgrün” von Tobias Steiner (SAIBO Film)

Zum Staatsmeister wurde der Film “Lavendelgrün” des jungen Murtaler Autors gekürt. In der Tristesse eines Wartezimmers entspinnt sich die Geschichte eines jungen, unerfahrenen Mannes, der verzweifelt versucht, seine Unsicherheit im Zwischenmenschlichen zu überwinden, um sich letztlich doch gefangen in seinen eigenen Ängste wiederzufinden. Ein Film, der uns mitnimmt und überrascht, und uns trotz allem irgendwie zufrieden zurücklässt. Beeindruckend. Der Film erhielt auch den VÖFA-Filmpreis in der Kategorie Spielfilm und eine Nominierung für den VÖFA-Filmpreis in der Kategorie Darstellung (für Martina Riegler in der Rolle der Alina und Angelo Konzett in der Rolle des Laurenz).

“Das Uhrwerk dreht sich weiter” von Luca Selberherr, Elias Märk, Nikolai Liskutin (Jugend AFC Wien)

Den Preis der Jury (oder Flamingo) nahmen die jungen Filmemacher von der Jugend AFC Wien mit nachhause. In ihrem Film zeichnen sie eine dystopische Welt, in der wir nur noch um des Arbeiten willens arbeiten und hochgradig austauschbar geworden sind. Reflexion findet erst statt, wenn man nicht mehr funktioniert – nicht auffallen lautet dann die Devise. Düster, aber reflektiert. Der Film erhielt auch den VÖFA-Filmpreis in der Kategorie Schnitt.

“Conscience” von Manuel Meissner (auch von Jugend AFC Wien)

… offenbart uns die Auseinandersetzung eines jungen Mannes mit seinem Gewissen, das nicht weggehen will und schreckliche Taten an die Oberfläche bringt – ob sie da bleiben, liegt in der Hand unseres Protagonisten. Die Rolle des Gewissens (Conscience) Gülther wird hervorragend von Leonardo Vasic gespielt, der dafür auch den VÖFA-Filmpreis in der Kategorie Darstellung erhält.

“Die Vergangenheit in mir” von Julian Kober

…erinnert uns daran, mit welchen Erinnerungen unsere Leben gespickt sind – am Ende haben sie uns geprägt und zu dem gemacht, der wir sind, und wir denken zurück an einen geliebten Menschen, und all die Eindrücke und Momente, die wir mit diesem Menschen erlebt haben. Der Film erhielt den VÖFA-Filmpreis in der Kategorie akustische Gestaltung und wurde außerdem für die VÖFA-Filmpreise in der Kategorie Regie, Bildgestaltung und Darstellung (für Chris Lodner in der Rolle der Frau) nominiert.

“Nicht mein Himmel” von Jaqueline Rauter

Diese Spielfilm-Doku nimmt uns mit in die düstere Zeit des zweiten Weltkrieges. Das Schicksal eines kleinen Jungen und seines Freundes offenbart sich uns in einem literarisch feinsinnigen Ausflug in Gedanken, zwei Zeitzeugen rahmen die Handlung ein und machen uns klar, dass dieser Krieg alles andere als Fiktion war. Der Film erhielt gleich zwei VÖFA-Filmpreise in den Kategorien Regie und Dokumentation, außerdem noch eine Nominierung für den VÖFA-Filmpreis in der Kategorie akustische Gestaltung.

“Ein erfülltes Leben” von Walter Wegscheider

… nimmt uns mit auf die Alm und zeigt uns die außergewöhnlichen Geschichten von drei Frauen, die als Sennerinnen auf ganz unterschiedliche Erfüllung in der Natur finden und deren Erlebnisse auf ganz besondere Art und Weise miteinander verwoben sind. Für dieses Storytelling erhält der Film den VÖFA-Filmpreis in der Kategorie filmische Geschichte.

“Zueignung – “Habe Dank”” von Manfred Pilsz

… nimmt sich ein Lied von Richard Strauß zum Anlass, die Hoffnungen zweier Frauen auf Zueignung eines Werks in die Unmittelbarkeit der digitalen Kommunikation zu übertragen. Am Ende geht es auch um das Hoffen auf Zuneigung und eine unerwartete Enttäuschung. Dafür erhielt der Film den VÖFA-Filmpreis in der Kategorie Idee.

“Lego – Der Überfall” von Thomas Speckhofer

Dieses flotte Stop-Motion-Werk ist an US-amerikanische Action-Filme angelehnt und begleitet zwei tollpatschige Bankräuber, die auch noch vom Pech verfolgt sind und, wie nicht anders zu erwarten war, am Ende zur Strecke gebracht werden. Der Film beeindruckte durch seine Stiltreue und Details und erhielt dafür den Jugendfilmpreis.

“Das Jahr des Apoll” von Reinhold Wurm

… eröffnet uns, ausgehend vom Leben des Apollo-Falter, die faszinierende Welt der Falter in unseren Alpen. Durch die gut erzählte Geschichte und eindrucksvolle Aufnahmen bleibt die Spannung aufrecht, der VÖFA-Filmpreis in der Kategorie Bildgestaltung ist die logische Konsequenz.

“Zwischen zwei Welten” von Kober & Kober

Die beiden Filmemeister zeigen uns wieder einmal, wie man Emotion im Film transportiert. Kaum einer hat am Ende der Geschichte des kleinen Mädchens, mit dem seine Mutter ein letztes Mal Kontakt aufnimmt, keine Tränen in den Augen – für diese Stimmung werden alle Register der Filmgestaltung eindrucksvoll und im Einklang eingesetzt. Der Film wurde dafür auch mit zwei Nominierungen für die VÖFA-Filmpreise in den Kategorien Spielfilm und filmische Geschichte geehrt.

“Hammer it all” von Tobias Steiner

Dieses Musik-Video für die Klagenfurter Band Naked Lunch begleitet einen Mann, der mehr oder weniger fremdbestimmt durchs Leben geht, auszubrechen versucht, aber schnell wieder eingeordnet wird, bis zur Resignation. Der Film wurde für den Jugendfilmpreis und den VÖFA-Filmpreise in der Kategorie Schnitt nominiert.

“Neunkirchen – 1. Weltkrieg und danach” von Peter Glatzl

Dieses Dokument zur Zeitgeschichte orientiert sich an lokalen Geschehnissen und zeigt die Entwicklung eines Ortes, eingeordnet in das
uns allen bekannte Große und Ganze. Der Film wurde für die VÖFA-Filmpreise in den Kategorien Dokumentation und filmische Geschichte nominiert.

“Mille Miglia” von Arnold Felfer

Der Film nimmt uns mit auf Mille Miglia, die historische Neuauflage des berühmten Autorennens durch Italien. Für die Hauptperson im Film geht ein Traum in Erfüllung – seine und die Emotionen aller Teilnehmer werden im Film transportiert und lassen uns dieses einmalige Ereignis miterleben. Der Film wurde für die für die VÖFA-Filmpreise in den Kategorien Regie und akustische Gestaltung nominiert.

Der Minutencup

Ein Fixpunkt bei jeder Staatsmeisterschaft ist auch der Minutencup, in dem durch das Publikum im KO-Verfahren der beste Ein-Minuten-Film gekürt wird. Wir sind stolz, diesen Preis dieses Jahr in unseren Club zu holen.

Ergebnis

  1. Kutschenfahrt (Teamfilm FVC Steiermark)
  2. Vampire (Heimo Holik)
  3. 1:0 Ausgetrixt (Melanie Kues, Franz Wank)
    So ein Pech (Ernst Thurner)

Ehrenpreise

Es war ein besonderes Jahr für unseren Club, denn Helmut Schubert wurde für sein Werk mit dem ganz besonderen Ehrenpreis “Leidenschaft Film” ausgezeichnet. >> Mehr Details…

Und Thomas Schauer wurde für seinen Einsatz bei der letztjährigen UNICA-Jury die UNICA-Ehrenmedaille verliehen.

Außerdem wurde unser Club noch Sieger des Verbandswettbewerbs 2017/18, dessen Preise beim Festival vergeben wurden. Und Dieter Leitner gewann mit seinem Film „Arachne“ die Einzelwertung. >> Mehr Details…

Fazit

Es war besonders in Fieberbrunn – wegen der vielen hervorragenden Filme, wegen der großen Anzahl junger und durchwegs guter Filme, wegen des anderen Formats und wegen eines großartigen Gastgebers.

Es war schön, dabei gewesen zu sein!

Fotos von Dieter Leitner